Der fatale Schritt

Im Laufe der Freunschaft ergab sich die Möglichkeit, mit Martin und Julia und einigen ihrer Bekannten, an einem Tanzkurs teilzunehmen. Wie nicht anders zu erwarten, konnte auch hier nur einer richtig tanzen, Amanlie. Alle anderen wurden belächelt und na klar, auch Björn war derjenige, der immer wieder Fehler beim Tanzen beging. Der Kurs endete und nach einigen Wochen fragte Amalie Björn, ob man nicht an einem Kurs, wo nur Discofox getanzt würde, teilnehmen möchte. Voraussetzung war jedoch, ohne Martin und Julia. Was sollte Björn wohl auf diese Frage antworten? Kein Kurs oder nur mit Martin und Julia? Nein, auch hier galt wieder der Spruch "Aber ich will!" und Björn sagte ja. Man besuchte 3 Kurse und als diese zu Ende waren bot man Björn und Amalie an, in einen Club einzutreten, wo der Tanz weiter verfeinert würde und auch Neues gezeigt würde. Dieses Angebot nahmen Björn und Amalie gerne an. Als Martin und Julia davon hörten, waren sie tief enttäuscht. Besonders Julia ging die Sache sehr nahe. Natürlich vollkommen unverständlich für Amalie. Aussage: "Glaubt die denn, nur weil sie uns mit zu dem ersten Kurs genommen haben, hätten wir jetzt nicht das Recht weiter zu tanzen?" Aber darum ging es im Grunde überhaupt nicht. Amalie wollte es eben nicht. Und so tanzten Björn und Amalie in dem Club und nach einiger Zeit sagten dann Martin und Julia, sie möchten auch an den 3 Grundkursen teilnehmen und dann auch in den Club. Das war natürlich in den Augen von Amalie das Letzte! Sie konnte aber nichts dagegen tun. Björn freute sich über diese Entwicklung sehr. Nach und nach kamen dann noch andere Paare zu dem Club hinzu und es entwickelte sich eine richtig nette Gruppe. Einmal im Jahr wurde sogar eine Fahrt über's Wochenende per Zug unternommen. Es war immer eine superlustige Sache, Spaß von der ersten bis zur letzten Minute. Mit der Zeit bildete sich mit einigen Paaren auch ein Gruppe außerhalb des Clubs. Man traf sich und feierte auch zusammen die Geburtstage. Zusätzlich war natürlich immer noch die Freundschaft zu Martin und Julia da. Als die Beziehung zwischen Björn und Amalie immer schlechter wurde, fuhr man noch mal zusammen in Urlaub. Eine Stimmung, wie sie schlimmer nicht sein konnte. Und etwas hütete Amalie seit einiger Zeit wie ihren Augapfel. Ihr Handy. Das fiel ganz besonders im Urlaub auf, da man ja den ganzen Tag zusammen war. Auch erhielt Amalie immer wieder, natürlich rein zufällig, SMS von "Leuten aus dem Tanz-Club", wie sie sagte.  Es fiel natürlich auch Martin und Julia auf. Da Amalie grundsätzlich als Letzte zum Frühstück kam (warum wohl fragte sich Björn), viel natürlich allen am Tisch dieser griesgrämige, superschlechtgelaunte Gesichtsausdruck von Amalie auf. Keiner sagte ein Wort weil jeder dachte, ein falsches Wort und sie explodiert. So ging dann der Urlaub endlich zu Ende und man fuhr wieder nach Hause. Dort ging gar nichts mehr. Nur noch Streit. Und worüber? Über Nichtigkeiten. Denn mehr Probleme als andere Beziehungen hatten Björn und Amalie auch nicht. Björn rauchte nicht, er trank nicht und erledigte alles, worum ihn Amalie bat. Denn nach wie vor liebte er im Inneren seine "Traumfrau". Aber Björn war eben jetzt out, wusste es nur noch nicht.  Und so beschloss man kurz nach dem Urlaub, eine Trennung von Tisch und Bett vorzunehmen. Beide machten es aber so geschickt, dass selbst den Kindern nichts aufgefallen ist. Schon gar nicht den Freunden, Bekannten oder Verwandten. Als kurz nach dieser Trennung Amalie Geburtstag hatte, kam es zu einem großen Streit. Natürlich sagte Björn wieder etwas Falsches. Und da meinte die Mutter von Amalie, auch einen Kommentar loslassen zu müssen. Diese Bemerkung war so eindeutig, dass Björn wusste, dass Amalie wieder eine Geschichte Ihrer Mutter erzählt hatte, natürlich in ihrer Version. Reaktion von Björn? Kein Streit, er stand auf, nahm seinen Teller und zog sich auf sein Zimmer zurück. Natürlich war auch dies wieder ein unmögliches Verhalten. Kommentar von Schwägerin Maria war mal wieder das Kofferpacken. Aber das kannte Björn ja schon zur Genüge. Nach einiger Zeit kam sein Freund Martin zu ihm und sie redeten über vieles. Dabei sagte Björn, dass er sich sicher sei, dass Amalie seit einiger Zeit eine andere Beziehung habe. Martin fiel aus allen Wolken und sagte: "Das glaube ich nicht. Das traue ich ihr nicht zu. Die ist doch immer so eifersüchtig, da wird sie doch selber nichts anderes anfangen!?!?" Aber Björn wurde dieses Gefühl nicht mehr los und die Beziehung, so sie denn noch eine war, lief einfach so leblos nebeneinander her. Björn hoffte zwar, dass sich alles wieder zum Besseren wenden würde, war aber nicht sehr zuversichtlich. Für ihn war der Gedanke einer Scheidung einfach unerträglich.

Die Endphase

Ein halbes Jahr später feierten Martin und Julia ihre Silberhochzeit. Björn hatte das Gefühl, Amalie bereite sich auf ihre eigene Feier vor. Ein Theater um die Kleidung, dass war unbeschreiblich. Aus jedem Versandkatalog oder Prospekt wurden Kleider und Zubehör bestellt, wieder zurückgesandt und neu bestellt. Und immer, wenn wieder etwas Neues gekommen war, der schnelle Schritt von Amalie zu Maria gegenüber. Fachberatung! Die ja sonst laut Amalie gekleidet war wie ein Stiefmütterchen, aber hier sagen sollte, was Amalie am besten stehen würde. Irgendwann war Amalie dann fündig geworden. Der Tanz-Club hatte für die Feier etwas vorbereitet, man traf sich vor der Feier auf einem Parkplatz um alles noch mal durchzusprechen. Alle stiegen aus, nur Amalie blieb im Auto sitzen. Dann fuhr man zusammen zur Feier und es kam der große Auftritt von Amalie. Als wäre sie die Hauptperson, schritt sie in den Festsaal. Aber auch das war für Björn nicht sonderlich ungewöhnlich. Ein furchtbarer Abend, besonders als Björn um 24.00 Uhr seinen eigenen Geburtstag mitfeiern konnte. Der letzte Gratulant von allen, na wer war das wohl? Richtig, Amalie. War natürlich jedem aufgefallen und auch hier merkte Björn, es war Amalie eine Freude. Weil, es waren ja wieder Zuschauer da, wo sie ihre persönliche Verachtung zeigen konnte

Eine Woche später fand der Jahresausflug von Tanz-Club statt. Schlimmer in der Öffentlichkeit gings nicht mehr. Jeder fragte Björn an dem Abend, was denn mit Amalie los wäre? Beschreiben kann man den Zustand nicht. Tiefste Verachtung, komplettes ignorieren von Björn, total schlechte Laune, nur nachdem sie ab und zu mal weg war und wiederkam, ein etwas freundlicheres Gesicht. War aber nur von kurzer Dauer. Als man am nächsten Abend nach Hause kam, schlug Amalie die Tageszeitung auf und sagte ganz beiläufig: "Es ist Schluß, ich werde ausziehen." Wie nach einem Unfall, wo der Schmerz auch erst später kommt sagte Björn: "In Ordnung, wird wohl das Beste sein." Trotzdem schlief er in dieser Nacht nicht eine einzige Minute. Am nächsten Morgen fuhr Björn zur Arbeit, brach sie aber nach 2 Stunden ab und fuhr nach Hause. Es ging einfach nicht. Jetzt hatte Björn erst begriffen, was eigentlich geschehen war: Liebe/Trennung/Scheidung.

Amalie war nicht zu Hause. Auch ein Anruf auf ihrem Handy war erfolglos. Irgendwann erreichte er sie dann doch und sie sagte, sie müsse noch einkaufen und käme dann nach Hause. Die Minuten wurden zu Stunden.

Der 1. Todes-Stoß

Björn wollte retten, was im Grunde schon lange nicht mehr zu retten war. Es kamen jetzt viele Dinge zusammen. Er wurde sich langsam darüber klar, dass er jetzt für alles alleine verantwortlich sein würde und alles auch entscheiden darf bzw. muss, dass er versuchen muss, das Haus für die Kinder zu behalten, dass er für die Kinder, von der Schule über Essen bis zu Arztbesuchen, einfach für alles immer da sein muss. Und dass seine Traumfrau gehen würde. Total aufgelöst und nicht mehr klar denkend ging er zu Amalie, die im Esszimmer saß. Er fiel vor ihr auf den Boden auf die Knie und heulte wie ein kleines Kind. Und bat sie, sich doch bitte alles noch mal zu überlegen, allein im Sinne der Kinder, die jetzt ihr letztes und wichtigstes Schuljahr hatten. Als Reaktion erfolgte der 1. Todes-Stoß von Amalie. Nicht mit Worten, nein. Sie hob ihren Fuß und trat Björn weg, der auf den Rücken fiel und sich wie ein Toter fühlte. Amalie stand triumphierend auf und ging hinaus. Dieses Gefühl kann Björn gar nicht beschreiben, vielleicht nur mit dem Tod.

In den nächsten Tagen hatte sich Björn wieder etwas gefangen, musste er ja auch, weil er Amalie kannte und wusste, dass es endgültig war. Aber seine lange schon gehegte Vermutung, mit einer neuen Beziehung, wurde immer stärker. Natürlich stritt Amalie alles ab. Auch sprach sie auf Bitten von Martin und Julia mit ihnen, denn auch ihnen war dies sehr sehr nahe gegangen. Auch dort wurde alles ganz energisch abgestritten mit Worten wie: "Ich schwöre......" Sie sagte sogar, sie wolle Björn noch eine Chance geben.

Als Björn und Amalie wieder einige Worte wechseln konnten fragte Björn: "Sag mit doch mal, was so schlimm an mir ist, dass du einfach nicht mehr mit mir zusammen leben kannst!" Sie sagte: "Weißt du was das allerschlimmste in unserer Beziehung war? Wie du Auto gefahren bist!" Björn schaute sie entsetzt an und sagte: "Wie bitte? Hast du noch alle Tassen im Schrank? Das soll der Hauptgrund für die Trennung sein? Das ist ja wohl ein schlechter Scherz von dir?" Amalie: "Nein. Du musst hupen, wenn einer von der Ampel nicht sofort losfährt, du machst Lichthupe, wenn jemand tagsüber die Nebelscheinwerfer angeschaltet hat, du fluchst, wenn du längere Zeit einen Parkplatz suchen musst usw. usw." Björn: "Wenn das wirklich der Grund wäre, hättest du es sagen müssen und ich hätte es von jetzt auf gleich abgestellt!" Amalie: "In deinem Alter ist man nicht mehr lernfähig." Da wusste Björn, es hat keinen Zweck, es sind an den Haaaren herbeigezogene Gründe und es steckt mit Sicherheit etwas anderes dahinter.

Der 2. Todes-Stoß

Dann sagte Amalie noch: "Außerdem gibt es nicht einen einzigen Menschen den ich kenne, der mir nicht schon mehrmals gesagt hat: Wieso bist du noch mit diesem (wörtlich) Arschloch zusammen? Das ist ein schlechter Mensch, der weiß alles besser, nur seine Meinung zählt und im Grunde will keiner mehr etwas mit ihm zu tun haben. Du hast alle Bekannten immer wieder verletzt und beleidigt!" Wie schon zu Beginn der Geschichte erwähnt, hatte Björn das eigene ICH längst über Bord geworfen. Eine absolute Leere entstand nach diesen Vorwürfen und Björn glaubte was Amalie gesagt hatte. Da die Beleidigung von Freunden und Bekannten ganz schrecklich für ihn waren, wollte er sich bei allen entschuldigen. Als erstes fuhr er zu Martin und Julia, konnte kaum sprechen und bat weinend um Entschuldigung für die Dinge die er getan hätte. Martin und Julia schauten sich an und fragten Björn: "Spinnst du? Wovon redest du überhaupt?" Da erzählte Björn die Geschichte und die Beiden wussten nicht, was sie sagen sollten. Sie baten Björn, dies niemals zu glauben, weil es einfach nicht stimmen würde. Ganz im Gegenteil. Er habe immer sehr direkt seine Meinung gesagt, jedoch niemals jemanden beleidigt. Und man habe immer bei ihm gewusst, wo man dran gewesen sei und das niemals hintenherum etwas anderes von ihm gesagt worden wäre. Dies haute Björn natürlich jetzt noch mehr aus der Bahn. Und so fuhr er auch zu Amalies Schwester Carmen und zu Ihrem Mann Gregor, zu Amalies Mutter, zu den Tanz-Club-Mitgliedern. Und überall erlebte er die gleiche unverständliche Reaktion wie bei Martin und Julia. Da begann Björn ganz ganz langsam zu begreifen, Mensch du bist ja gar nicht so schlecht  wie es dir deine Traumfrau einreden will. Glaub jetzt den Anderen, versuch es auf jeden Fall, sie haben die Wahrheit gesagt.

Und trotzdem versuchte Björn immer wieder mit Amalie zu sprechen. Doch es war so, wie er von einem Bekannten gehört hatte. Jedes Wort wird als persönlicher Angriff aufgefasst. Selbst das "Guten Morgen" ist schon ein Angriff. Und wie im normalen Leben auch, fühlt sich derjenige, der etwas tut, als Opfer. Erlebt man ja immer wieder bei Verbrechern. Die eigentlichen Opfer werden wüst beschimpft. So auch Björn, als er so idiotisch war, bei der IHK und der Sparkasse nachzufragen, ob Amalie eine staatliche Starthilfe für ihre Selbstständigkeit bekommen würde. Als er das Ergebnis Amalie sagen wollte, wurde er so angegiftet, dass er die Unterlagen nahm und vernichtete.

Irgendwann sagte Amalie, sie würde ein verlängertes Wochenende bei Ihrer Freundin Margit verbringen. Freitag früh fuhr sie los und wollte erst Sonntag Abend wieder kommen. 3 Tage Zeit für Björn.

Und in dieser Zeit vergaß Björn seine Grundsätze. Er wollte jetzt wissen, was los war. Amalie wußte ja, sie konnte mit Björn machen was sie wollte. Und so lagen natürlich auch all ihre privaten Dinge offen in ihrem Zimmer herum. Denn Björn würde diese Dinge niemals anfassen. Bis zu diesem Wochenende. Und was Björn sah, entsetzte und schmerzte ihn. Als erstes fiel ihm ein kleines Büchlein mit dem Titel "Das Liebesleben des schnuckeligen Schützen" in die Hände. So weit sich Björn erinnern konnte, hatte er ein anderes Sternzeichen. Er sah Karten und Notizen mit Sprüchen wie: Du bist wie die Luft zum Atmen, ohne die ich nicht leben kann usw. usw. Dann hielt er ein kleines Notizheft in der Hand, in das Amalie geschrieben hatte. Halt! Wer jetzt an ein Tagebuch denkt, liegt falsch! In ein Tagebuch werden alle möglichen Dinge, die am Tage geschehen sind, hinein geschrieben. Hier war es anders. Es war ein Beschwerde- oder Leidensbuch. Von A bis Z nur negative Dinge. Und irgendwann ist das Büchlein voll, man schaut hinein und sagt "Oh Gott, habe ich ein beschissenes Leben!" Klar, denn hier fehlt ja der positive Ausgleich. Erschreckend war der Zeitpunkt des Beginns der Notizen. Nachdem sage und schreibe Amalie und Björn 3 Jahre verheiratet waren und die Kinder erst 1 1/2 Jahre alt waren, begann Amalie mit den Worten: "Seitdem wir ein eigenes Haus und Kinder haben, halte ich es nicht mehr aus. Ich muß unbedingt hier raus sonst bring ich mich um!" Das muß man sich mal überlegen! Nach dieser kurzen Zeit. Und übrigens, wo ist dieser furchtbare Björn in dieser Aufzählung? Und so ging es weiter. Jede auch noch so kleine Sache, die man irgendwie negativ auslegen konnte wurde notiert. Und das war sehr viel. Denn eine Eigenart von Amalie war, alles was Björn sagte, bezog sie grundsätzlich auf sich selbst, als hätte Björn ihr etwas vorgeworfen. Beispiel aus dem Büchlein: "Habe heute wieder einen auf den Deckel bekommen. Tasse stand nicht richtig auf dem Tisch." Und genau daran konnte sich Björn erinnern, weil die Geschichte einen heftigen Streit ausgelöst hatte. Als Amalie und Björn am Tisch saßen, stand Amalies Tasse so knapp an/über der Tischkante, das ein Husten gereicht hätte und sie wäre heruntergefallen. Björn sagte: "Pass auf Amalie, die Tasse fällt gleich vom Tisch!" Nicht mehr und nicht weniger. Und schon gings los, sie bezog es wieder auf sich und anschließend wurde es wieder notiert. Tausende solcher Beispiele, ganz banale Dinge des Alltags. Nun war Björns Meinung gefestigt, dass Amalie mit sich und der Umwelt Probleme hat und seine Auffasung, sie sei krank, richtig war. Denn das ist sicher nicht mehr normal. Und das geschilderte ist nur ein winziger Auszug!!!!

Also, Amalie war zu ihrer Freundin gefahren. Am Sonntag-Abend kam sie wieder zurück. Bezeichnend: Statt erst die eigenen Kinder zu begrüßen, geht sie sofort rüber zu ihrer Fachberaterin Maria. Warum, kann sich Björn schon ganz genau denken. Björn wollte noch eine zusätzliche Bestätigung und ging in den Keller. Dort standen ganz offen die Taschen, denn sie wußte ja, Björn läßt die Finger davon. Doch nicht diesmal. Er schaute nur in die offenstehenden Taschen hinein. Sektflaschen, Sektgläser, Süßigkeiten und eine große weiche Decke sowie einiges an reizender Unterwäsche (die Björn natürlich nicht kannte) waren ohne Anfassen der Tasche zu sehen. Das reichte Björn. Als Amalie dann irgendwann kam, stellte Björn sie zur Rede und sagte, was er gefunden und gesehen habe. Total, aber wirklich total geschockt, mit offenem Mund und großen Augen sowie hochrotem Kopf stand sie vor Björn. Mit solch einer Reaktion hatte Amalie niemals gerechnet, sie kannte es nicht von Björn. Und jetzt? Sie hatte immer das Zepter in der Hand, sie selbst. Jetzt riß es Björn an sich, unfassbar für Amalie. Stotternd gab sie alles zu. Dann stellte Björn die oberblödeste Frage, die sicherlich alle Männer in dieser Situation stellen: "Wer ist es?" Sie sagte nur: "Ist egal, ihr begegnet euch nicht und habt auch sonst nichts miteinander zu tun." Anschließend gab es noch ein Gespräch zusammen mit den Kindern. Björn dachte schon, der Tiefpunkt sei erreicht. Doch es folgten viele viele weitere. In diesem Gespräch eröffnete Amalie den Kindern folgendes (wörtlich!!): "Ich werde gehen, ob ihr mitkommt oder nicht, interessiert mich nicht!" Da wurde Björn richtig sauer und schrie sie an, ob sie überhaupt noch einen Funken Anstand in sich habe? Den Kindern, die natürlich auch total fertig waren sagte Björn: "Merkt euch diesen Satz ganz genau! So denkt eure Mutter in Wirklichkeit über euch! Ihr seid lediglich eine Belastung für sie!" Und so schienen Björn auch die zuvor geäußerten Worte von Amalie, dass sie in die nähere Umgebung ziehen würde, damit sie den Kindern Mittags kochen könne und auch sonst für sie da wäre, nur noch wie Schall und Rauch. Und genau so sollte es auch kommen. Doch der seelische Mord an Björn sollte weitergehen. Heiligtum Handy wurde nur noch in der Hosentasche mitgeschleppt, immer empfangsbereit für Mister Unbekannt. Und wenn's vibrierte, schnell nach draußen und telefonieren. Das muss man sich vorstellen! Amalie steht auf der Terrasse, telefoniert mit ihrem Neuen und postiert sich so, dass Björn es sehen muß. Seid diesem Zeitpunkt kann Björn die Männer, die in der BILD-Zeitung stehen wie: "Betrogener Ehemann drehte durch und......" verstehen. Denn nicht jeder ist sich sicher, sich an solch einer Kreatur nicht zu vergreifen. Denn als Mensch kann man Amalie nicht beschreiben. Ein Mensch hat etwas Menschliches an sich, Amalie nicht! Björn war mehr denn je der Überzeugung, dass Amalie krank war und sagte es ihr: "Ganz ehrlich, du bist krank. Bitte lass dir helfen!" Reaktion: "Der Einzige, der hier krank ist, bist du!"

Nach kurzer Zeit kam dann doch alles durch die Dummheit des "NEUEN" heraus. Der Tanz-Club war zu einem Geburtstag eingeladen worden. Björn und Amalie fuhren natürlich nicht hin, es wußte aber noch niemand etwas. Martin und Julia, die auf dem Weg zur Feier waren, schrieben einem anderen Tanz-Paar eine SMS mit der Frage: "Seid ihr schon da?" Es kam eine SMS zurück mit einer für Julia unverständlichen Antwort: "Ja, dass mit euch hat schon die Runde gemacht. Kuss Kuss Kuss"! Bei der Feier angekommen, zeigt Julia einer anderen Tanzpartnerin die SMS die sofort sagt: "Der hat etwas mit Amalie und dachte, Amalie hätte ihm die SMS gesandt." Julia sagte: "Genau das habe ich auch gedacht." Sie spricht den Neuen auf die SMS an, der total verstört reagiert und rumstottert und etwas von Firmenhandy faselt, was absolut keinen Zusammenhang hat. Er wollte anderen glaubhaft machen, die SMS käme nicht vom ihm es wäre etwas von der Firma oder so. Seine Frau war auch total aufgelöst, was aber kein Wunder war, wie sich später herausstellen sollte. Kurze Zeit später verlies das Paar die Feier. Als Björn davon hörte, wurde ihm vieles klar.

Am nächsten Tag reden Martin und Julia mit Amalie, die nach wie vor alles energisch abstreitet. Auch mit dem Neuen, der auch in dem Freundeskreis von Björn und Amalie war, sprachen die Beiden. Beide quatschten genau den gleichen Müll, als hätten sie es auswendig gelernt. Auffälliger gings wirklich nicht mehr. Jetzt wussten alle, dass er es war und keiner konnte es verstehen. Gerade dieser Aufschneider! Am allerwenigsten konnte es natürlich Björn verstehen, weil ihm jetzt viele Dinge durch den Kopf gingen.

Er hatte IHN natürlich im Tanz-Club kennengelernt, näher aber erst auf einem ersten gemeinsamen Geburtstag. Dort fiel er nach einiger Zeit durch eine Geschichte auf, die ihm sofort einen Spitznamen einbrachte. Dieser Typ, der in den letzten 15 Jahren die unterschiedlichsten Jobs ausgeübt hatte, verkaufte seit einiger Zeit Hüft- und Kniegelenke an Krankenhäuser. Der Hammer war aber, dass er allen Ernstes behauptete, er würde diese Teile bei den Patienten höchstpersönlich einsetzen und die Chef-Ärzte würden ihm dabei zusehen um zu lernen!!! Björn sagte sofort: "Du hast nicht alle Tassen im Schrank! Als wenn du bei diesen großen und sehr blutigen OP's an den Patienten ran dürftest! Hast du denn irgendwann mal einen einzigen Tag Medizin studiert?" Da meinte dieser Kasper: "Das braucht man nicht". Seit diesem Abend hat er bei allen den Spitznamen "Chef-Arzt". Ein Wahnsinns-Aufschneider und Lügner. Der erste große Gegensatz zu Björn. Dann fiel er an diesem Abend, sowie bei wirklich jeder Feier wo er dabei war dadurch auf, dass er nach einer gewissen Zeit immer einen so hohen Alkoholpegel hatte, dass er den restlichen Abend nur noch stehend an der Wand verbrachte. 2. Gegensatz zu Björn, der zu Hause mit Amalie schon Ärger bekam, wenn er sich ab und zu mal ein 2. Glas Wein einschütten wollte. Das alles kann Björn behaupten, denn dies hat er erlebt. Das er auch sonst diese Leidenschaft hat, wurde Björn zwar erzählt, würde er aber nicht behaupten, denn das weiß er ja nicht. Genau so die Erzählungen, dass er dem weiblichen Geschlecht immer und überall sehr nahe stehen würde. Das wäre ja der 3. Gegensatz zu Björn, obwohl es Amalie ja immer behauptet hatte. Wie übertrieben würde Amalie jetzt bei Ihrem Chef-Arzt bei diesem Thema reagieren? Viel Spaß!

Dann fiel Björn die Silberhochzeit von Martin und Julia ein. Einen großen Teil des Abend schwänzelte der Chef-Arzt immer um Björns Kinder herum und versuchte mit ihnen rumzukaspern. Das hatte Björn schon gewundert und die Kinder fragten Björn: "Was will denn dieser Assi von uns?" Sie hatten den Chef-Arzt schon damals durchschaut. Klasse! Jetzt weiß Björn auch, warum Amalie bis zuletzt auf der Feier blieb obwohl die Kinder schon halbtot auf den Stühlen hingen. Weil, Ihr Chef-Arzt war ja noch da! Am nächsten Morgen, als Björn und Amalie beim Aufräumen halfen, stand plötzlich der Chef-Arzt wieder in der Türe und sagte, er hätte etwas vergessen. Martin sagte zu ihm: "Das hast du doch selber bei dir in den Kofferraum gestellt! Hast du denn dort nachgesehen?" Antwort Chef-Arzt:" Nein." War ja jetzt klar, warum er eben mal vorbeischauen wollte, der größte aller Ärzte. Auch die verachtende Gratulation zu Björns Geburtstag erklärte sich jetzt. Da wollte Amalie voller Stolz ihrem Chef-Arzt mal zeigen, siehst du, wie ich den fertig mache?! Da ist sich Björn absolut sicher und andere ebenfalls. Und alle Bilder von dieser Feier, wenn einer von Ihnen zu sehen ist, ist der Andere nicht weit. Gleiches von der letzten Ausflugs-Fahrt eine Woche später. Es war die geplante, endgültige Abschied-Tour der Beiden mit Ihren "Noch"-Ehepartnern. Amalie hatte nach dem Abend die harmlose Variante gewählt und gab Björn, für ihn erstaunlich, einen Abschiedskuss auf die Wange. Björn wurde später erzählt, dass der Chef-Arzt die knallharte und schmutzigste Variante die man sich denken kann, gewählt hatte. Björn kann natürlich nur erahnen, was damit gemeint ist! Und täglich vielen Björn viele weitere Dinge ein, die nun in einem ganz anderen Licht standen.

Das war also der neue Traum-Partner von Amalie. Der Chef-Arzt höchstpersönlich!

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